In der Geschichte der niederländischen Cannabis-Szene taucht kaum ein Name so oft auf wie der von Arjan Roskam. Der Niederländer eröffnete 1992 in Amsterdam seinen ersten Coffeeshop, baute daraus eine der bekanntesten Samenfirmen Europas auf und wurde später unter dem Beinamen „King of Cannabis" auch außerhalb der Fachszene bekannt. Dieser Beitrag bildet öffentlich dokumentierte Stationen und Wirkungen ab; eine private Bewertung der Person ist damit nicht verbunden.
Vom Eigenanbau zum Coffeeshop
Roskams Weg beginnt Mitte der 1980er-Jahre in Amsterdam. Nach eigener Darstellung arbeitete er damals mit Saatgut, das Bekannte von Reisen aus Thailand, Nepal und Südostasien mitgebracht hatten. 1992 eröffnete er in der Tolstraat den ersten Coffeeshop unter dem Namen The Green House. Der niederländische Markt war zu diesem Zeitpunkt stark von importiertem Haschisch geprägt, hochwertige Blüten aus lokalem Anbau blieben die Ausnahme. Bereits 1993 gewann Green House beim sechsten High Times Cannabis Cup einen ersten Preis; in den Folgejahren kamen weitere Coffeeshops hinzu.
Green House Seed Co. und die Trennung von Shantibaba
1994 gründete Roskam gemeinsam mit dem Züchter Scott Blakey, in der Szene als Shantibaba bekannt, die Green House Seed Co. In den vier Jahren der Zusammenarbeit, zeitweise auch mit Nevil Schoenmakers, entstanden Sorten, die den Markt bis heute prägen: White Widow, Super Silver Haze, White Rhino, Great White Shark, El Niño. 1998 verkaufte Blakey seinen Anteil und verließ das Unternehmen; gemeinsam mit Howard Marks gründete er die Mr. Nice Seedbank. Die etablierten Sortennamen blieben bei Green House, Blakey brachte seine Linien unter neuen Bezeichnungen heraus: aus White Widow wurde dort Black Widow, aus White Rhino Medicine Man. Roskam führte Green House allein weiter.
Strain Hunters: die Suche nach Landrassen
Ab 2008 organisierte Roskam Expeditionen in Anbauregionen außerhalb Europas und dokumentierte sie in der Videoreihe Strain Hunters. Die Reisen führten unter anderem nach Malawi, Marokko, Indien, Kolumbien und Kirgisistan. Erklärtes Ziel ist es, alte, regional gewachsene Landrassen zu erfassen und ihr Erbgut zu sichern, bevor sie durch importierte Hybriden verdrängt werden. 2013 begleitete das Magazin VICE eine dieser Expeditionen nach Kolumbien für die Dokumentation „Kings of Cannabis" – der Film trug den Beinamen weit über die Fachpresse hinaus.
Einordnung: Bilanz und offene Zuschreibungen
Die Zahlen, die Roskams Ruf tragen, sind nicht unabhängig geprüft: Berichte aus dem Jahr 2013 nannten 38 gewonnene Cannabis Cups, das Unternehmen selbst spricht heute von über 40 Titeln. Auch der Beiname ist eine Zuschreibung und keine verliehene Auszeichnung – VICE beschrieb ihn 2013 als selbstgewählt, andere Darstellungen führen ihn auf Nevil Schoenmakers zurück. Umstritten bleibt zudem, wer White Widow gezüchtet hat: Blakey reklamiert die Sorte für sich, Roskam schreibt sie dem niederländischen Züchter Ingemar zu, eine belastbare Klärung steht aus. Unbestritten ist dagegen die Reichweite der Genetik aus jener Zeit, die in zahllosen Kreuzungen anderer Anbieter weiterlebt. Roskam ist weiterhin aktiv: 2025 äußerte er sich auf der Spannabis in Barcelona kritisch zur bisherigen Regulierung und erwartet eine Aufspaltung des Marktes in industrielle Massenware auf der einen und kleine Spezialbetriebe auf der anderen Seite.
Quellen: VICE, „It’s Good to Be the King" (2013); VICE, Dokumentation „Kings of Cannabis" (2013); Honeysuckle Magazine, Interview mit Arjan Roskam, Spannabis Barcelona (2025); Newsweed, Profil „Arjan Roskam: Green House Seeds’ King of Cannabis"; Green House Seed Co., „About Arjan Roskam" (Unternehmensangaben); Beard Bros Pharms, „Breeding the Culture: Shantibaba" (2021)