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Pyramid Seeds

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Pyramid Seeds
Gegründet 2002 Barcelona, Spanien 4 Min. Lesezeit
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Wer einen Sortenkatalog aufschlägt, in dem Tutankhamon, Nefertiti, Anubis und Ramses nebeneinanderstehen, rechnet mit einem Motiv, das nach zwei Saisons wieder verschwindet. Bei Pyramid Seeds hält es seit über zwanzig Jahren – und es ist der harmloseste Teil dessen, was diese Marke ausmacht.

Interessanter ist eine Festlegung, die das Haus auf der eigenen Website wiederholt wie ein Mantra: Es versteht sich als Züchter, nicht als Wiederverkäufer. Jede Linie im Programm stammt nach dieser Darstellung aus eigener Selektion und wird im Haus stabilisiert, bevor sie in den Katalog darf – geprüft über mehrere Generationen auf Keimfähigkeit, Gleichmäßigkeit und Ertrag. Das ist eine Ansage, an der sich eine Samenbank messen lassen muss.

Barcelona, 2002

Gegründet wurde Pyramid Seeds 2002 in Barcelona; der Firmensitz liegt heute in L'Hospitalet de Llobregat, unmittelbar südwestlich der Stadtgrenze. Als Herkunft nennt die Marke selbst schlicht Barcelona, und dabei ist es über zwei Jahrzehnte geblieben.

Die frühe Selbstbeschreibung, wie sie bis heute in den Sortendatenbanken steht, liest sich entsprechend nüchtern: feminisierte Samen, unkompliziert im Anbau und ordentlich im Ertrag, gedacht für ambitionierte Hobbygärtner ebenso wie für Betriebe. Kein Wort von Exklusivität, kein Wort von Sammlerstücken. Diese Herkunft erklärt einiges am heutigen Katalog, der eher robust als exotisch sortiert ist.

Pharaonen und ein AK-47

Das Aushängeschild heißt Tutankhamon und ist eine Selektion aus AK-47 – jener Kreuzung, in der Landrassen aus Kolumbien, Mexiko, Thailand und Afghanistan zusammenlaufen. Aus einer berühmten Linie eine eigene Fassung zu ziehen und sie über Jahre gleich zu halten, ist die unspektakulärste Form von Zuchtarbeit und zugleich die, an der man Handwerk am ehesten erkennt.

Zur Potenz nennt das Haus Laborwerte um 30 bis 33 Prozent THC, allerdings mit abweichenden Angaben auf den eigenen Seiten: einmal als Analyse von Energy Control, einmal als Messung eines Growers auf der Mary Jane in Berlin. Solche Zahlen liest man deshalb am besten als das, was sie sind – Angaben des Herstellers, kein geprüfter Katalogwert.

Konsequent durchgehalten ist das Namensmotiv übrigens nicht: Kukulkan stammt aus der Mythologie der Maya, Alpujarrena verweist auf eine andalusische Landschaft, und Wembley oder Lennon haben mit Pharaonen gar nichts zu tun. Wer im Katalog blättert, sieht einem Haus beim Älterwerden zu – Themen kommen dazu, das alte wird nicht abgeräumt.

Sauber belegt ist dagegen ein Titel: Die Kreuzung aus Black Widow und White Widow, die im Katalog Nefertiti heißt, stand 2007 in der Hydro-Kategorie des Spannabis Cannabis Champions Cup ganz oben. Es blieb der prominenteste Cup-Erfolg des Hauses – Pyramid Seeds hat seine Bekanntheit weniger über Wettbewerbe aufgebaut als über einen Katalog, der sich kaum verläuft.

Ein Katalog, der auf Klassikern steht

Das Rückgrat des Programms sind europäische Standards in der Pyramid-Fassung: White Widow, Northern Lights, Shark, Super Hash. Anesthesia, eine Kreuzung aus Northern Lights und Black Domina, gehört zu den ausgesprochen indicalastigen Linien; Kryptonite, Wembley, Lennon und Blue Pyramid stehen daneben für die eigenen Kreuzungen, die es über die Jahre in den festen Bestand geschafft haben.

Auffällig ist, wie konsequent das Haus seine Klassiker durchdekliniert. Zu fast jeder etablierten Sorte gibt es eine automatisch blühende Variante, zu mehreren eine CBD-Version – Northern Lights CBD, White Widow CBD, Shark CBD –, dazu schnell blühende Fassungen und reguläre, also nicht feminisierte Samen für alle, die selbst weiterzüchten wollen. Das ist weniger Katalogpflege als Systematik: eine Linie, mehrere Bauformen.

Wie das praktisch aussieht, zeigte zuletzt 2025: Statt neuer Genetik brachte das Haus in dem Jahr zwei neue Bauformen – die schnell blühende und die reguläre Linie – und griff dafür bewusst auf Sorten zurück, deren Verhalten es nach eigener Aussage seit Jahren kennt, samt Stärken und Schwächen. Für eine Branche, die im Frühjahr gern verkündet, was sie im Herbst erst selbst kennenlernt, ist das eine erstaunlich unaufgeregte Produktpolitik.

Amerikanische Genetik, europäische Stabilisierung

Seit einigen Jahren steht neben den Klassikern die kalifornische Seite des Katalogs: Gelato, Do Si Dos, Cookies USA, Sunset Sherbet, Watermelon Zkittlez, Purple Urkle und Mendocino Purple Kush. Den eigenen Anspruch formuliert Pyramid dabei ungewöhnlich präzise – man nehme amerikanische Genetik und gebe ihr europäische Stabilität, also weitere Selektionszyklen, bis das Ergebnis unter hiesigen Bedingungen berechenbar bleibt.

Die Spitze dieser Arbeit ist die Gold Line, in der eigene Flaggschiffe mit amerikanischen Elternlinien wie Runtz, Gorilla Glue und Girl Scout Cookies gekreuzt werden. Das Haus beschreibt sie ausdrücklich nicht als Jahrgangsneuheit, sondern als Ergebnis jahrelanger Arbeit – und als die Investition, die es in der eigenen Geschichte am meisten Energie und Geduld gekostet hat. Man muss das nicht glauben, aber es passt zu einem Programm, das lieber eine Sorte nachschärft als drei neue anzukündigen.

Pyramid Seeds funktioniert damit nicht über Hype, sondern über Wiederholbarkeit: bekannte Genetik, sauber selektiert, in vielen Bauformen verfügbar und über zwei Jahrzehnte im selben Programm gehalten. Wer eine Linie sucht, die im nächsten Jahr noch so ausfällt wie im letzten, ist hier richtig. Das Pharaonen-Motiv ist dann nur noch die Zugabe.