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Doja

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Doja
Gegründet 2016 Los Angeles, Kalifornien 5 Min. Lesezeit
Gegründet in Los Angeles, Kalifornien
2016
Sorten im Shop
12
Alle 12 Strains zeigen
Inhalt · 5 Kapitel

Die begehrteste Cannabissorte des Jahres 2023 kam nicht aus dem Zuchtraum dieses Hauses. Permanent Marker wurde von Seed Junky Genetics gezüchtet, eine Kreuzung, die auf Biscotti, Sherbet und Jealousy zurückgeht, und Leafly kürte sie redaktionell zur Sorte des Jahres. Dass trotzdem fast jeder, der den Namen kennt, im nächsten Satz Doja sagt, ist kein Missverständnis.

Es ist die Frage, mit der man dieses Haus am besten anfängt: Was ist eine Samenbank, die ihren Ruf nicht mit eigenen Kreuzungen aufgebaut hat? Die Antwort steckt in einer Chronologie, die ungewöhnlich herum verläuft.

Camden, Fort Worth, Sacramento

Ryan Bartholomew, in der Branche nur „Doja", wuchs in Camden, New Jersey auf, mit häufigen Umzügen; seine erste Begegnung mit Cannabis datiert er auf 1998 in Fort Worth, Texas. Über Texas und Kalifornien landete er in Los Angeles — einer Stadt, der er selbst zuschreibt, dass sie die Kontakte und die Infrastruktur mitbrachte, aus denen alles Weitere wurde.

Der erste eigene Anbau entstand 2012 in Sacramento, unter Kaliforniens Proposition 215. Vier Jahre später, nach der Abstimmung über den Freizeitmarkt, entschied er, aus dem Betrieb eine Marke zu machen. 2016 bekam sie ihren Namen und, vom Designer Al Freshko, ihr Logo. Ende 2018 verlagerte sich der Schwerpunkt der Geschäfte nach Los Angeles, wo das Haus heute sitzt.

Erst Kurator, dann Züchter

In den ersten Jahren war Doja ausdrücklich kein Produzent — Bartholomew hat das selbst so formuliert. Angebaut wurde bei Partnern, Wizard Trees etwa, dessen Arbeit damals so weit vorn lag, dass sie kopiert wurde. Dojas Beitrag war die Auswahl und die Bühne: welche Genetik überhaupt aus dem Zuchtraum in die Öffentlichkeit kommt, wie sie heißt, in welcher Verpackung sie auftritt. Erst Dosen, später bedruckte Tüten; zwei ehemalige Fahrer, Doja EK und Doja Drew, wurden zu Gesichtern der Marke. Das klingt nach weniger, als es ist: In einem Markt, in dem wöchentlich neue Namen auftauchen, entscheidet die Kuratierung darüber, was überhaupt jemand ausprobiert.

Permanent Marker ist dafür das Lehrstück. Doja fand den Namen, brachte im Januar 2022 die ersten Stecklinge heraus und zog über Monate eine weltweite Aufmerksamkeitswelle hinter sich her; der Züchter räumte später ein, dass niemand mit dieser Sorte größere Wellen geschlagen habe. Nach demselben Muster hängen RS11 und Zoap am Namen Doja, ohne dort entstanden zu sein, und auch Studio 54, American Pie und Giraffe Puzzy liefen über diese Bühne. Diese Namen gehören zur Geschichte der Marke — in unserem Samensortiment stehen sie nicht.

Rusty, der Duke of Doja

Die zweite Hälfte der Geschichte heißt Rusty. Er kam Anfang der 2010er dazu, die Zusammenarbeit datiert auf etwa 2012, und gilt als Mitbegründer und Master Grower des Hauses; mit der Pflanze arbeitet er seit Mitte der neunziger Jahre. Angefangen hat er anderswo — die Branche hat er erst nach einer abgebrochenen Karriere in einem ganz anderen Fach betreten.

Seine Arbeitsweise ist das, was dieses Haus von einer Markenhülle unterscheidet: Pheno-Hunting in großem Maßstab, also die Auswahl einzelner Pflanzen aus großen Populationen, bewertet nach Potenz, Aroma, Ertrag und Widerstandsfähigkeit. Die Anlage in Sacramento ist mit über 3.000 Lampen entsprechend dimensioniert. Dass dabei nicht die Potenz das letzte Wort hat, sagt Rusty selbst: Sie zähle, aber unterscheiden tue am Ende das Aromaprofil. Gleichzeitig bleiben Klassiker wie OG Kush und Sour Diesel in Arbeit, statt nur Neues nachzujagen — aus dieser Doppelbewegung sind eine Kreuzung von SFV OG mit Peachtree-Reversal-Pollen und die Arbeit an einem Cut namens Haley's Comet entstanden, der ursprünglich aus Washington Heights in New York stammt.

Ab 2020: der eigene Katalog

2020 begann Doja, in eigene Saatgutproduktion und eigene Genetik zu investieren, statt fremde Cuts zu vermarkten. Daraus wurde Doja Seeds, die Samenlinie des Hauses, in Los Angeles ansässig und nach eigener Darstellung das Ergebnis jahrelanger, absichtsvoller Zucht. Bartholomews Suchauftrag an sich selbst ist dabei denkbar knapp: Er will Dinge, die es so noch nicht gab — Ausreißer mit auffällig viel Terpen, Aromen, die im Mund bleiben, und Sorten, die nicht allein auf Kraft gezüchtet sind.

Der Katalog liest sich entsprechend wie eine Aromaliste und nicht wie eine Kraftprobe: Cherry Limeade, Lime Verbena, Melon Melange, Kerosene Kreme, Red Taffi. Daneben stehen Namen, die ihre Herkunft aus der kalifornischen Cut-Kultur noch im Kürzel tragen, Triple Z und Zoapium etwa, und mit Sapphire Solstice, Serengeti, Ultraviolet, Confetti und Neon Wormz eine Reihe, die sich in keine der beiden Schubladen einsortieren lässt.

Auffällig ist die Familienbildung. Im Verzeichnis der Samenlinie tauchen rund um eine Elternlinie namens Coffin Candy mehrere Kreuzungen auf — mit RS11, RS54, Gelato 41 und OZ Kush —, dazu Linien wie 18 Coffins, ZBX2 und Strawberry Zkillato. Die meisten davon führen wir nicht; sie zeigen aber, wie hier gearbeitet wird: Eine Elternlinie wird nicht einmal verwendet, sondern mehrfach ausgespielt, bis klar ist, was in ihr steckt.

Von Kalifornien nach Europa

Im April 2026 ging die Marke über den Atlantik, gemeinsam mit CP Medical — einem Partner aus der kalifornischen Zeit von RS11 und Zoap, mit dem die Zusammenarbeit acht Jahre zurückreicht. In Deutschland läuft der Vertrieb über Bloomwell, in Großbritannien über Mamedica. Interessanter als die Landkarte ist die Lieferkette dahinter: Ausgangsmaterial als originale Breeder-Cuts über Gewebekultur, Anbau in Thailand nach GACP, Weiterverarbeitung in Portugal nach GMP, DNA-Sequenzierung zur Bestätigung der Sorte, keine Bestrahlung.

Das ist eine ungewöhnliche Kombination: ein Haus, das aus der Legacy-Kultur kommt und seinen Ruf mit Stecklingen und bedruckten Tüten aufgebaut hat, legt sich parallel eine Lieferkette zu, die man eher in der Pharmalogistik vermutet. Die eigene Devise dazu ist knapp: Was verkauft wird, muss den Test im eigenen Haus bestehen.

Doja steht im Regal für eine kalifornische Eigenart: Genetik als Kulturgut, nicht als Rohstoff. Wer hier zugreift, bekommt keine Linie, die auf dem Papier beeindrucken soll, sondern eine, die jemand aus einer großen Population herausgesucht hat, weil sie im Aroma herausfiel. Das ist eine schmale Begründung — aber eine, zu der dieses Haus seit Jahren steht.