Wir haben im Jänner den Megastore geschlossen und abverkauft, das wissen die meisten von euch. Was bisher nicht kam: die Erklärung, warum. Hier ist sie. Ganz.
Die Geschichte, die ihr erwartet
Ihr kennt vermutlich die Version, die gerade überall erzählt wird: Die Legalisierung kam, aber nicht so, wie man gehofft hatte. Der Markt hat enttäuscht. Man musste schließen.
Das ist nicht meine Geschichte. Meine ist das Gegenteil: Die Legalisierung ist gekommen, und genau das hat unser Geschäftsmodell Stück für Stück ruiniert.
Warum so viele von so weit her kamen
Im Dezember 2016 haben wir aufgesperrt. Von Anfang an kam ein großer Teil unserer Kundschaft aus Deutschland, und nach kurzer Zeit nicht mehr nur aus der Nähe, sondern aus München, aus Frankfurt, sogar aus Hamburg.
Nicht nur wegen unserem guten Service. Sondern weil es bei uns zwei Dinge gab, die es in Deutschland so nicht gab: Samen und Cannabispflanzen. Anbauen war dort verboten, Cannabissamen und Stecklinge bekam man nirgends legal.
Growequipment war dagegen nie verboten, nirgends. Gekauft haben es viele trotzdem bei uns. Online bestellen wollte kaum jemand, aus Angst, dass ein Paket die falschen Fragen aufwirft. Und im Growshop um die Ecke wollte man sich nicht blicken lassen. Also fuhr man ein paar hundert Kilometer, dorthin, wo einen niemand kannte.
April 2024: Die Angst war weg
Mit der Legalisierung in Deutschland ist diese Angst über Nacht verschwunden. Und wer nichts mehr zu verbergen hat, kauft dort, wo es am günstigsten ist und am schnellsten kommt. Online bestellen konnte seit Corona ohnehin jeder, und Amazon hatte sein Angebot längst bis zur LED-Lampe ausgebaut. Was nicht online kam, holte man jetzt eben doch im Laden um die Ecke.
Die Kundschaft, die von weit her kam, kam nicht mehr. Nicht, weil sie unzufrieden war, sondern weil sie keinen Grund mehr hatte, so weit zu fahren.
Und gleichzeitig: die Apotheke
Mit demselben Gesetz ist medizinisches Cannabis in Deutschland aus dem Betäubungsmittelgesetz gefallen. Seitdem reicht ein normales Rezept. Das gibt es heute nach einem kurzen Online-Gespräch, ausgesucht wird aus Hunderten Sorten, geliefert wird bis an die Haustür.
Die Zahlen dazu sind eindeutig: 2023 hat Deutschland 32,5 Tonnen Medizinalcannabis importiert, 2024 gut 71 Tonnen, 2025 über 200 Tonnen. Viele Sorten kosten in der Apotheke inzwischen nur noch rund fünf Euro pro Gramm. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Für viele, die früher selbst angebaut haben, war das die einfachere Lösung. Sie bauen nicht mehr an, und sie müssen dafür nicht einmal mehr das Haus verlassen.
Zwei Kundengruppen auf einmal
Innerhalb weniger Monate sind uns damit zwei Kundengruppen gleichzeitig weggefallen: die, die von weit her kamen, und ein guter Teil derer, die selbst angebaut haben.
Das ist keine Klage. Die Legalisierung war richtig, und für die Leute ist es heute einfacher und sicherer als je zuvor. Für ein Geschäft, das darauf gebaut war, dass man für Diskretion ein paar hundert Kilometer fährt, war es das Ende eines Modells.
Und ich habe in diesem Moment die falschen Entscheidungen getroffen.
Der Teil, der am meisten wehtut
Wir haben auch bei den Cannabis-Stecklingen zu groß gedacht. Raum um Raum kam dazu, das Tempo stieg – und die Qualität hat gelitten. Mutterpflanzen pflegen, Stecklinge schneiden, Stecklinge pflegen: Der Aufwand ist schneller gewachsen als unsere Struktur. Wir haben im laufenden Betrieb nachgebessert. Meistens aber zu spät.
Eine Sache dabei war eine bewusste Entscheidung, keine Ausrede: Andere haben Stecklinge für 2 bis 3 Euro rausgehauen, auf reine Masse. Da wollte ich nicht mitspielen. Das Ergebnis: viele Anfragen, wenige Abschlüsse. Und am Ende keine feste Community von Leuten, die uns über die Zeit getragen hätte.
Das Modell hätte funktionieren können. Es ist an unserer eigenen Ausführung gescheitert. Nicht am Markt.
Der Schnitt
Ende September 2025 habe ich die Entscheidung getroffen, den Laden mit 31. Jänner 2026 zu schließen.
Davor lag ein Jahr, in dem wir ehrlich waren, durchgängig. Wir haben immer wieder offen kommuniziert, wie schwierig die Lage ist. Die meisten aus dem Team haben das selbst erkannt und sich rechtzeitig etwas Neues gesucht – kein Rauswurf, sondern ein gemeinsames Sehen-was-kommt. Nur die letzten sechs Kollegen musste ich zum Jahresende kündigen. Bis zuletzt haben wir zusammengeholfen DrGreen – in der alten Form – abzuwickeln. Und darauf bin ich stolz, mein Team hat mich als Arbeitgeber tatkräftig unterstützt – bis zum letzten Tag.
Das Lager haben wir abverkauft. Erst mit 50 Prozent Rabatt, dann mit 80. Was übrig blieb, haben wir verschenkt.
Was jetzt kommt
Ich habe DrGreen neu konzipiert. Kleiner, schärfer, digital. Kein Komplettsortiment mehr, kein Headshop, kein Growshop. Nur noch das, wofür DrGreen 2.0 gedacht ist: Das Portal für Cannabissamen.
Wer heute noch selbst anbaut, macht das nicht mehr, weil es keinen anderen Weg gibt, sondern weil er es will. Und der will wissen, was er pflanzt.
Und genau die Fehler, die uns den einst riesigen Growshop gekostet haben, sind jetzt mein Vorteil. Wer selbst erlebt hat, wie schnell Stecklingsqualität kippt, wenn man zu schnell skaliert, weiß, worauf es bei Genetik wirklich ankommt. Fast zehn Jahre Erfahrung, echte Produktion – und eine Lektion, die ich nicht in einem Buch gelernt habe, sondern am eigenen Lager.
Heute ist es so weit. Mit vollständigem Sortiment, von Anfang an.
Ich freue mich, dass ihr das mit mir geht.
Tom
Quellen: BfArM (Importmengen 2023–2025), Deutscher Bundestag (Stand der Gesetzesänderung).