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TerpyZ Mutant Genetics

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TerpyZ Mutant Genetics
Gegründet 2021 Groningen, Niederlande 4 Min. Lesezeit
Gegründet in Groningen, Niederlande
2021
Sorten im Shop
12
Alle 12 Strains zeigen
Inhalt · 6 Kapitel

Ein Cannabisblatt hat fünf, sieben oder neun Finger – so steht es im Bestimmungsbuch, und daran hat sich jahrzehntelang niemand gestört. Pflanzen, die stattdessen Entenfüße trieben, Petersilie imitierten oder Wedel ausrollten wie ein Farn, galten als Betriebsunfall: nett für ein Foto, aber nichts, womit man arbeitet. Sie wurden aussortiert, bevor sie überhaupt blühen konnten.

TerpyZ Mutant Genetics hat aus diesem Ausschuss ein Programm gemacht – nicht als Randnotiz neben einem normalen Katalog, sondern als Geschäftsgrundlage. Die Mutation ist hier nicht der Schönheitsfehler, den man in Kauf nimmt, sondern der Grund, aus dem eine Linie überhaupt weitergeführt wird.

Junge Firma, alte Sammlung

Gegründet wurde TerpyZ 2021, die Firma sitzt im niederländischen Groningen. Jung ist daran allerdings nur das Unternehmen. Die Gruppe dahinter beschreibt ihre Suche nach ungewöhnlichen Linien als Projekt, das deutlich mehr als ein Jahrzehnt zurückreicht und irgendwann schlicht eine Firma brauchte. Das erklärt, warum der Katalog vom ersten Tag an nicht wie ein Startkatalog aussah, sondern wie ein Archiv: zusammengetragen, so die eigene Darstellung, über ein Netz befreundeter Züchter in mehreren Ländern.

Diese Arbeitsweise ist bis heute sichtbar. Die Marke führt neben dem Kern TerpyZ Mutant Genetics noch TerpyZ Genetics und die Reihe „A Mutant Journey"; im Katalog tauchen Namen wie Kalyseeds, TerpyZ Research oder Plant Savant als Urheber einzelner Kreuzungen auf. Das Haus versteht sich erkennbar eher als Werkstatt mit ständigen Gästen denn als geschlossenes Labor.

Was am Blatt zu lesen ist

Wer sich durch das Sortiment arbeitet, liest zuerst die Kürzel, und die meinen jeweils eine bestimmte Blattform. ABC steht für Australian Bastard Cannabis, eine gedrungene, robuste Wildform mit kleinen, petersilien- oder hopfenartigen Blättern. Duck bezeichnet die breiten, verwachsenen Entenfußblätter, die in der Wuchsphase eher an Ahorn oder Johannisbeere erinnern als an Cannabis. Swag ist deren glattrandige Verwandte, Fern der feine, farnartige Wuchs. Dazu kommen lanzettliche Nesselblätter, einfingrige Formen und panaschierte Pflanzen, deren Blätter weiß-grün marmoriert sind.

In unserem Regal steht dieses System offen da: Feral Fuel ABC und Flo Fusion ABC tragen die australische Wildform im Namen, Zen-X Swag und Zfuel Swag die glatten Entenblätter, Mentha de Croco Fern-Type den Farnwuchs, Variegated Delight die Panaschierung. Ein Sortenname ist bei TerpyZ deshalb weniger Etikett als Ansage, was im Beet stehen wird – und was die Nachbarn dort vermutlich nicht erkennen werden. Die Tarnwirkung ungewöhnlicher Blattformen ist ein Argument, das das Haus selbst offensiv nennt.

Mentha de Croco, die Hauslinie

Wenn eine Familie für TerpyZ steht, dann diese. Angefangen hat sie mit einer Pflanze, die intern nur „Croco" heißt; die erste Generation entstand aus der Kreuzung einer farnblättrigen Mentholskunk mit eben jenem Croco. Was daraus wurde, beschreibt das Haus als „Poly Leaf-Type Hybrid" – eine Linie, die nicht eine Mutation stabilisiert, sondern gleich mehrere im Erbgut mitführt.

Das ist züchterisch eine bemerkenswert unbequeme Entscheidung. Aus einer Tüte kommt kein einheitlicher Bestand, sondern eine Auswahl: tief gezähnte Blätter, Entenfüße, Farnelemente, reptilienhaft strukturierte Oberflächen – und regelmäßig auch völlig gewöhnliches Cannabis. Wer Gleichförmigkeit sucht, ist hier falsch; wer selbst selektieren will, bekommt Material, mit dem sich das lohnt. Bei uns stehen mehrere Zweige dieser Familie, darunter Mentha de Croco Croco Bx, Mentha de Croco Fern BX1 F2 und Mentha de Croco Fern-Type, dazu Abkömmlinge wie Super Menthol Haze und Zitro.

Die Wette gegen den Ruf der Mutante

Der Verdacht gegen Mutanten ist alt und nicht ganz unbegründet: hübsch anzusehen, aber schwach im Ertrag. TerpyZ begegnet ihm nicht mit Widerspruch, sondern mit Zuchtarbeit. Wer eine seltene Blattform behalten will, muss ihr beibringen, sich zu behaupten – also wandert sie über Generationen in Linien, die auf Aroma und Ertrag bereits ausgelesen sind. Einzelne Sorten sind ausdrücklich als Antwort auf genau diesen Vorbehalt angelegt.

Dazu kommt ein zweites Gleis: Semi-F1- und F1-Hybride, die Wuchskraft und Gleichmäßigkeit zurückholen sollen, die eine Sammlung seltener Formen von Natur aus nicht mitbringt. Und die erklärte Absicht, an Krankheits- und Schädlingsresistenz weiterzuarbeiten. Mutation als Ausgangspunkt, nicht als Ziel – das ist die Handschrift.

Ein Magazin, das auch die Nachteile druckt

Das TerpyZ Magazine wäre anderswo eine Marketing-Fußnote. Hier ist es ein Argument. Im Beitrag über panaschierte Pflanzen steht schwarz auf weiß, dass diese in aller Regel weniger wüchsig sind, weniger tragen und empfindlicher reagieren, weil ihnen schlicht Blattgrün fehlt – mitsamt Verweisen auf die Fachliteratur. Ein Text über Australian Bastard Cannabis räumt ein, wie dünn die Forschungslage zu dieser Wildform ist und wie viel davon auf Beobachtungen von Growern beruht.

Ein Shop, der die Schwächen der eigenen Ware in den eigenen Kanal schreibt, ist selten genug, um es zu erwähnen. Es passt zu einem Sortiment, das ohnehin niemanden ansprechen will, der nur schnell etwas Bewährtes sucht.

Ein Katalog, der ein Anspruch ist

TerpyZ reklamiert für sich, die umfassendste Sammlung mutierter Cannabis-Genetik der Welt zu führen, und bei den reinen ABC-Linien eine der größten überhaupt. Beides ist eine Selbstauskunft, die niemand unabhängig nachzählt – belastbar ist aber die Breite dessen, was man dort tatsächlich nebeneinander findet: praktisch jede bekannte Blattform, klassische Sorten, Landrassen und moderne Hybriden im selben Regal. Über Cup-Siege trägt sich dieses Haus jedenfalls nicht – öffentlich dokumentierte Auszeichnungen haben wir keine gefunden.

Dafür steht diese Marke im Regal: für den Teil der Cannabisgenetik, den der Rest der Branche jahrzehntelang für einen Fehler gehalten hat – und den hier jemand mit der Geduld eines Sammlers und dem Ehrgeiz eines Züchters zusammenhält.