Die Über-uns-Seite von Garden Of Green ist kürzer als die Beschreibung einer einzelnen Sorte im selben Shop. Wer dieses Haus verstehen will, liest deshalb besser die Sortenliste als die Firmengeschichte — und findet dort eine Ordnung, die einem erst beim zweiten Durchgang auffällt.
Eine Adresse im Dubliner Gewerbegebiet
Die Marke nennt sich einen Familienbetrieb, der es zur besten Samenbank der Geschichte bringen will. Der Anspruch ist groß, die Adresse dahinter ist es nicht: Firmiert wird über die Valdora International, gemeldet in einem Gewerbegebiet im Norden Dublins.
Professionell betrieben wird dagegen die Verbreitung. Der Shop des Herstellers läuft in sieben Sprachen und drei Währungen, und nach eigenen Angaben geben über fünfzig Händler und Distributoren die Samen weiter. Garden Of Green ist damit eher ein europäisches Vertriebshaus mit eigener Zucht als die Werkstatt eines einzelnen Züchters — was man weder gut noch schlecht finden muss, aber wissen sollte, wenn man das Portrait einer Marke liest, die keine Gründerfigur nach vorne stellt.
Wann das anfing, sagt niemand genau
Ein Gründungsjahr nennt das Haus nirgends. Auf der Über-uns-Seite steht, man habe „vor 15 Jahren" eine Vorstellung von dieser Branche gehabt; zwei Sätze weiter ist man „seit fast zwei Jahrzehnten" im Saatgutgeschäft. Beide Angaben stehen undatiert nebeneinander, und keine von beiden lässt sich in eine Jahreszahl übersetzen.
Ein belastbarer Fixpunkt existiert trotzdem: 2014 stand eine eigene Kreuzung des Hauses im Wettbewerb der Spannabis in Barcelona. Wer dort antritt, hat vorher jahrelang selektiert. Alles Weitere wäre Schätzung, und Schätzungen gehören nicht in ein Portrait.
Zwei Schulen in einem Katalog
Seine Genetik holt sich das Haus nach eigener Darstellung bei Züchtern in aller Welt und kombiniert, was in den USA und was in Europa entstanden ist. Das ist ausnahmsweise keine Floskel, sondern in der Sortenliste ablesbar: Neben europäischen Dauerbrennern wie Exodus Cheese, Super Skunk Kush oder Amnesia Lemon Kush stehen die amerikanischen Namen der letzten Jahre — Girl Scout Cookies, Wedding Cake, Candyland, Sherbet, Green Crack.
Die kalifornische Seite hat beim Hersteller sogar eine eigene Abteilung, die Cali Collection; Cali Bay Dream und Chemdog Millionaire Guava sind Beispiele dafür, was dort landet. Auffällig ist, dass beide Schulen nebeneinander stehen bleiben, statt zu einer erkennbaren Hausgenetik zu verschmelzen. Garden Of Green sortiert lieber, als dass es kuratiert.
Alles zweimal: feminisiert und automatisch
Die eigentliche Handschrift liegt nicht in einer einzelnen Kreuzung, sondern in einer Entscheidung, die sich durch das ganze Angebot zieht: Was sich bewährt, bekommt eine zweite Fassung. Blue Dream und Blue Dream Auto, Critical XXL und Critical XXL Auto, Girl Scout Cookies und Girl Scout Cookies Auto, Violet Kush und Violet Kush Auto, Super Skunk Kush und Super Skunk Auto.
Das ist unglamourös und ziemlich viel Arbeit. Eine eingeführte Linie in eine automatisch blühende Version zu überführen heißt, sie noch einmal zu stabilisieren, ohne dabei das zu verlieren, wofür man sie ursprünglich ausgewählt hat. Dass das Haus diesen Weg so konsequent geht, sagt mehr über seine Prioritäten als jeder Slogan: Hier wird daran gearbeitet, dass eine bekannte Genetik in mehr Händen funktioniert, nicht an ihrer Aura. Zuletzt ist eine Reihe von F1-Automatics dazugekommen — dieselbe Idee, eine Stufe weiter.
Kush Mass, die eigene Kreuzung
Wenn eine Sorte für dieses Haus steht, dann Kush Mass: Critical Mass gekreuzt mit einem afghanischen Kush, indica-betont und kompakter als die meisten Critical-Hybriden. Sie ist keine Übernahme, sondern eine Arbeit der Marke selbst — und die einzige Sorte im Programm mit einer nachweisbaren Wettbewerbsplatzierung.
2014 kam Kush Mass beim Spannabis Champions Cup in der Kategorie Hydro auf den dritten Platz. Das ist kein Best-Overall-Titel, und er wird hier auch nicht zu einem gemacht: ein dritter Rang, in einer von mehreren Kategorien, vor über zehn Jahren. Aber er ist dokumentiert — und er gehört einer Kreuzung, die das Haus selbst gemacht hat. Das ist mehr wert als eine Vitrine voller Auszeichnungen, die niemand nachschlagen kann.
Die Critical-Familie ist im Sortiment ohnehin breit vertreten: Critical XXL, Critical XXL Auto, Critical 2.0 XL Auto, Critical Relief CBD. Und Kush Mass gibt es, natürlich, auch als Kush Mass Auto.
Das Etikett „medical" und eine CBD-Abteilung
Garden Of Green stellt die eigene Arbeit unter die Überschrift „medical" und begründet damit auch, wie die Samen produziert werden. Sichtbar wird das an einer eigenen Abteilung für CBD- und CBG-Sorten; bei uns stehen aus dieser Ecke Critical Relief CBD und Kush N Cookies CBD. Was solche Sorten leisten sollen, ist nicht Sache eines Breeder-Portraits — festhalten lässt sich nur, dass das Haus die Kategorie ernst genug nimmt, um sie getrennt zu führen, statt sie als Beiwerk mitlaufen zu lassen.
Ein Regal für Landrassen
Abseits der feminisierten Hauptlinie hält der Hersteller eine kleine Regular-Abteilung, in der Dinge stehen, die kommerziell wenig hergeben und genetisch viel: kolumbianische Landrassen wie das alte Santa Marta Colombian Gold, dazu Kreuzungen mit zentralasiatischem und hawaiianischem Material. Bei uns im Regal steht davon nichts, und als Kaufempfehlung ist es hier auch nicht gemeint. Es ist der Teil des Katalogs, an dem man sieht, dass hier jemand über die Bestsellerliste hinaus sammelt.
Garden Of Green ist keine Marke, die über ihre Erzählung verkauft — es gibt kaum eine. Was es gibt, ist ein sauber sortierter Katalog: europäische Klassiker und kalifornische Neuzugänge nebeneinander, die meisten davon in zwei Ausführungen, ein paar eigene Kreuzungen dazwischen und ein Regal Landrassen für die, die weitergraben wollen. Wer eine bekannte Genetik in einer bestimmten Form sucht, findet sie hier eher als anderswo die passende Legende dazu.