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Simon von Serious Seeds: Der Züchter, der bewusst klein blieb.

Seit 1995 setzt der Amsterdamer Biologe auf eine Handvoll streng selektierter Sorten statt auf einen ständig wachsenden Katalog.
8. August 2026 durch
Simon von Serious Seeds: Der Züchter, der bewusst klein blieb.
Tom Jaud
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In der niederländischen Samenbranche der 1990er Jahre wuchsen viele Anbieter schnell und breit. Simon, der Züchter hinter Serious Seeds, ging den umgekehrten Weg: wenige Sorten, lange Entwicklungszeiten, ein Unternehmen, das klein bleiben sollte. Die Firma nennt ihn öffentlich bis heute nur bei seinem Vornamen. Er ist weiterhin aktiv, weshalb sich dieser Beitrag ausschließlich auf öffentlich dokumentierte Angaben und Interviews in der Fachpresse stützt und auf eine persönliche Bewertung verzichtet.

Vom Biologielehrer zur eigenen Samenbank

Simon studierte Biologie an einer Amsterdamer Universität und unterrichtete das Fach anschließend an einer Oberschule. Eine Afrikareise im Jahr 1986 wurde zum Wendepunkt: Von dort brachte er Samen mit, die er in den Niederlanden anbaute und aus denen er die jeweils besten Pflanzen weiterkreuzte. Als Alan Dronkers ihn zu Sensi Seeds holte, bedeutete das einen drastischen Berufswechsel. Nach einiger Zeit dort gründete er mit zwei US-Amerikanern eine erste, kurzlebige Samenbank. 1994 gewannen die Sorten AK-47 und Chronic Preise beim High Times Cannabis Cup in Amsterdam; ein Jahr später, 1995, ging Serious Seeds als eigene Firma an den Start.

AK-47 und der frühe Durchbruch

AK-47 entstand nach Angaben des Unternehmens bereits 1992, nach dem Test tausender Pflanzen aus verschiedenen Zuchtlinien. Die Genetik führt Serious Seeds auf kolumbianische, mexikanische, thailändische und afghanische Linien zurück; die genaue Kreuzung hat Simon nie offengelegt. Der Name spiele, so die Firmendarstellung, nicht auf Gewalt an, sondern auf die Wirkung. 1996 holte der Amsterdamer Coffeeshop De Dampkring mit White Russian — einer Kreuzung aus AK-47 und dem White-Widow-Klon der Neunziger — den Gesamtsieg des High Times Cannabis Cup. Es blieb nicht bei diesen Titeln: Nach eigenen Angaben zählte Serious Seeds bis Mai 2021 rund 102 Auszeichnungen, davon 25 beim Cannabis Cup — Zahlen des Unternehmens, die sich nicht vollständig unabhängig prüfen lassen.

Warum das Sortiment klein bleibt

Auffällig ist, wogegen sich Serious Seeds entschieden hat. Jahrelang bestand das Angebot aus einer Handvoll Sorten — neben AK-47, Chronic und White Russian vor allem Kali Mist und Bubble Gum. Eine neue Sorte kommt nach Darstellung der Firma erst heraus, wenn sie stabil und einheitlich ist; verbesserte Selektionen behalten ihren alten Namen, statt als Neuheit vermarktet zu werden. Sechzig Sorten zu führen, die im Kern Variationen von fünf Themen seien, sei ausdrücklich nicht das Ziel. Simon selbst hat sein Auswahlkriterium 2014 im Magazin THCENE so beschrieben: „Wenn ich eine neue Pflanze testrauche, an deren Entwicklung ich gerade arbeite, und nicht diesen WOW!-Effekt dabei bekomme, habe ich keinerlei Interesse daran, sie als Sorte herauszubringen."

Einordnung: dreißig Jahre kleine Firma

Ganz statisch blieb der Katalog nicht. 2011 wandte sich Gerrit Slot von Magus Genetics an Simon und übergab ihm seine Zuchtlinien; vier davon — darunter Warlock und Double Dutch — führt die Firma seither weiter. Simon beschrieb den Zusammenschluss als Verbindung zweier kleiner Betriebe mit derselben Haltung. Heute umfasst das Sortiment rund zwanzig Sorten, inklusive automatisch blühender und CBD-betonter Versionen bestehender Klassiker. Zum dreißigjährigen Bestehen sagte er 2025: „Ich bin nicht dazu geeignet, eine größere Firma zu führen." Als Gegenmodell zum jährlich wechselnden Massensortiment wird dieser Ansatz in der Fachpresse regelmäßig beschrieben — er ist damit weniger eine Marktnische als eine Haltung zur Zuchtarbeit selbst.

Quellen: Serious Seeds, „History of Serious Seeds“ sowie „Who are we? / Why are there only 20 strains?“, seriousseeds.com (abgerufen 2026); Serious Seeds, Sortenseiten „AK-47“ und „White Russian“, seriousseeds.com (abgerufen 2026); Hanfjournal, „Die Geschichte von Serious Seeds“ (Ausgabe 146, Juni 2012); Green Born Identity, „Serious Seeds: Ich brauche diesen WOW!-Effekt!“, THCENE (2014); Green Born Identity, „30 Jahre Serious Seeds – Simon, Inhaber und Züchter von Serious Seeds“, THCENE 2/2025

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