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World of Seeds

World of Seeds auf DrGreen entdecken

World of Seeds
Torrent, Valencia 4 Min. Lesezeit
Alle Strains von World of Seeds zeigen

Der Katalog von World of Seeds liest sich streckenweise wie ein Atlas: die kenianischen Hänge des Kilimandscharo, das Archipel Ko Chang vor Thailand, das Gebirge von Santa Marta in Kolumbien, das Rif in Nordmarokko, die Täler des nördlichen Hindukusch. Wer die Firmenanschrift dahinter sucht, landet in Torrent, einem Vorort von Valencia.

Dieser Abstand zwischen Herkunft und Hauptsitz ist kein Zufall, sondern die Arbeitsweise. Dieses Haus fällt nicht dadurch auf, dass es ständig neue Kreuzungen benennt, sondern dadurch, dass es Genetik dort holt, wo sie über Generationen entstanden ist – und sie so weit stabilisiert, dass sie auch unter europäischen Bedingungen bleibt, was sie war.

Ein Haus in Torrent, und drei Geschwister

Hinter der Marke steht das spanische Unternehmen TH PASSION mit Sitz in der Hort de Soriano in Torrent, Valencia. Unter demselben Dach laufen Delicious Seeds, Samsara Seeds und Hemp Passion. World of Seeds ist damit weniger ein einzelner Züchter als eine von mehreren Handschriften eines Hauses – und die, die am weitesten reist.

Ein Gründungsjahr nennt die Marke auf ihrer eigenen Seite nirgends, und die Angaben Dritter widersprechen einander so deutlich, dass keine davon zitierfähig ist. Der Zeitraum lässt sich trotzdem eingrenzen: Die älteste Auszeichnung, die das Haus für eine eigene Sorte ausweist, stammt aus dem Jahr 2009, und die marokkanische Ketama-Linie ist nach eigener Darstellung seit den Neunzigern an europäische Breitengrade gewöhnt.

Sammeln als Zuchtarbeit

Kilimanjaro stammt von den kenianischen Hängen des Kilimandscharo und ist nach Darstellung des Hauses das Ergebnis generationenlanger Auslese durch die Bevölkerung vor Ort; die eigene Arbeit daran wird auf Stabilisierung und Harzbildung beschränkt, ohne den Charakter der Linie anzutasten. Wild Thailand kommt aus dem Archipel Ko Chang und geht auf die jahrelange Auslese der dortigen Anbauer zurück. Für Colombian Gold, eine reine Sativa aus dem Gebirge von Santa Marta, brachte man Saatgut aus der Region mit, und Ketama wurde aus einer großen Sammlung ausgewählt, die aus dem marokkanischen Rif stammt.

Pakistan Valley und Afghan Kush kommen beide aus dem nördlichen Hindukusch. Bei Pakistan Valley fällt die Beschreibung der eigenen Leistung auffallend klein aus: mehrere Jahre Selektion, danach eine Indica reiner Herkunft. Dazu treten S. African Kwazulu aus Südafrika und Brazil Amazonia. Diese Linien sind der Kern des Sortiments und zugleich der Grund, warum man die meisten dieser Namen anderswo selten liest.

Drei Werkstätten hinter dem Katalog

Was mit dieser Grundlage geschieht, lässt sich an drei wiederkehrenden Mustern ablesen. Das erste ist die 47er-Familie: Kreuzungen mit AK-47, die die Zahl als Suffix tragen. New York 47 verbindet NYC Diesel mit AK-47, daneben stehen Skunk 47, Star 47 und Yumbolt 47.

Das zweite ist die Ryder-Reihe, die Hausbezeichnung für die selbstblühenden Varianten. Afghan Kush Ryder Auto ist die Kreuzung der Afghan-Kush-Linie mit Ruderalis, und dasselbe Prinzip zieht sich durch Amnesia Auto, Pakistan Ryder Auto oder Wild Thailand Ryder Auto – die Landrassen bekommen eine zweite, kürzere Fassung ihrer selbst.

Das dritte Muster ist das aufwendigste: Statt den Katalog nur zu verlängern, arbeitet das Haus seine eigenen Sorten noch einmal durch. Afghan Kush Early Harvest, Amnesia Early Harvest, Pakistan Valley Early Harvest, Strawberry Blue Early Harvest und Northern Light x Big Bud Early Harvest sind früher reifende Fassungen längst eingeführter Linien. Das bringt keinen neuen Namen ein, sondern nur eine bessere Version eines alten – eine Rechnung, die nicht jede Samenbank aufmacht.

Auszeichnungen abseits von Amsterdam

Eine Vitrine voller Amsterdamer Cups hat World of Seeds nicht. Was das Haus ausweist, sind Platzierungen bei regionalen Wettbewerben in Spanien und Lateinamerika:

  • Amnesia – zweiter Platz Indoor bei La Bella Flor 2009 in Málaga
  • New York 47 – zwei zweite Plätze bei der Copa Popular THC 2014 in Valencia
  • Pakistan Valley – erster Platz Indica Outdoor bei der Copa Valparannabis 2018 in Chile
  • Amnesia – dritter Platz Outdoor bei der Cata Cannabica 2018 in Rosario, Argentinien

Das ist keine Sammlung, mit der sich plakatieren lässt. Sie hat dafür den Vorzug, überprüfbar zu sein: Jede dieser Platzierungen steht mit Jahr und Wettbewerb auf der jeweiligen Sortenseite des Herstellers, und die Streuung über Málaga, Valencia, Chile und Argentinien sagt mehr über die tatsächliche Verbreitung dieser Genetik als ein einzelner großer Titel.

Die CBD-Linien und eine ungewöhnliche Selbstdarstellung

Ein eigener Zweig des Katalogs ist auf Cannabidiol ausgelegt. Tonic CBD und Tonic Ryder CBD Auto tragen mehr CBD als THC – für Tonic Ryder gibt das Haus 4 Prozent THC gegenüber 10,5 Prozent CBD an –, und Harlequeen THC-FREE CBD wird als THC-frei geführt.

Bemerkenswert ist weniger die Linie selbst als ihre Begründung. Die Selbstdarstellung der Marke beginnt nicht mit Erträgen und nicht mit Wirkung, sondern mit einem Anspruch auf den besonnenen Umgang mit der Pflanze – und benennt im selben Absatz die Risiken des Freizeitkonsums. Man muss darin nicht mehr sehen als eine Positionierung. Auffällig bleibt sie trotzdem, weil kaum eine Samenbank ihre eigene Kundschaft mit einem Vorbehalt anspricht.

Im Regal steht World of Seeds deshalb für etwas anderes als die großen Namen aus Amsterdam oder Barcelona: nicht für die nächste Modekreuzung, sondern für Sorten mit einer nachvollziehbaren Adresse. Wer wissen will, was auf den Hängen des Kilimandscharo, auf Ko Chang oder im Rif tatsächlich wächst, findet hier den kürzesten Weg dorthin.