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Paradise Seeds

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Paradise Seeds
Gegründet 1994 Amsterdam, Niederlande 5 Min. Lesezeit
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Paradise Seeds verdankt seine Existenz einem Anwalt. Anfang der neunziger Jahre flog Luc Krols Anbau in Amsterdam auf, und sein Verteidiger riet ihm, das Ganze auf legalen Boden zu stellen und eine Samenbank zu gründen. 1994 stand die Firma.

Aus dieser reichlich pragmatischen Gründung ist eine der beständigsten Samenbanken Europas geworden — geführt bis heute von demselben Züchter, der damals seine Pflanzen auf Amsterdamer Dächern stehen hatte.

Dachterrassen, Leuchtstoffröhren, Lucky Mothers

Angefangen hat es Ende der Achtziger in der niederländischen Vorstadt, mit Samen, die ein Freund aus Aruba mitgebracht hatte. Krols Erinnerung an die erste eigene Ernte ist von entwaffnender Schlichtheit: geerntet, mit ein paar Freunden geraucht — und die Sache war entschieden.

Anfang der Neunziger zog er nach Amsterdam und landete in der dortigen Hausbesetzerszene. In leerstehenden Gebäuden experimentierte er mit Leuchtstoffröhren und ausgeschlachteten Straßenlaternen, im Sommer wurden Dachflächen zu Gärten. Was dabei herauskam, ging in den Coffeeshop Lucky Mothers, wo eine Sorte namens Mother's Milk vor allem bei amerikanischen Gästen Anhänger fand. Über Reisende kamen Landrassen aus der Karibik, aus Asien und den USA dazu — der Genpool, aus dem später die eigenen Linien entstanden.

Fünf Sorten und ein Stern

Der Start 1994 fiel bescheiden aus: fünf Sorten, darunter Nebula und Dutch Dragon, die beide bis heute im Katalog stehen, dazu die längst historischen Amsterdam Flame und Sheherazade. Von Anfang an dabei war auch Sensi Star, eine Indica mit hohem Afghani-Anteil, die Krol aus Hunderten Pflanzen ausgelesen und zurückgekreuzt hatte.

Ihr Aroma beschreibt er bis heute lieber umständlich als griffig — Minze, etwas Metallisches, Pfeffer, schwer zu fassen. Nur hörte einer kleinen Samenbank ohne Namen zunächst niemand zu.

1999, das Jahr, in dem es klickte

Das änderte sich schlagartig. 1999 gewann Sensi Star den High Times Cannabis Cup in der Indica-Kategorie und im selben Jahr den Highlife Cup in der Bio-Kategorie; Nebula holte beim High Times Cup Platz zwei. Zwei Titel in einer Saison, und die Bank aus der Gravenstraat war plötzlich eine Größe. High Times und Soft Secrets kürten Sensi Star später zur Pflanze des Jahres.

Nachhaltiger als die Pokale war allerdings, was danach passierte: Andere Züchter bauten mit ihr weiter. Über fünfzig Sorten führen Sensi Star heute in ihrer Ahnenreihe — für eine Genetik aus dem Gründungsjahr einer Firma ist das die ungewöhnlichere Auszeichnung.

Was hier unter Zucht verstanden wird

Krols Arbeitsweise ist auffällig unmodisch: Selektion über große Zahlen, Rückkreuzung, viel Zeit. Als Voraussetzungen nennt er Geduld, Hingabe und eine gute Nase, und den häufigsten Fehler benennt er ebenso trocken — zu früh zufrieden sein und zu wenig testen.

Aufschlussreich ist auch, worüber er nicht spricht. Der Wettlauf um immer höhere THC-Werte interessiert ihn erkennbar weniger als Harz, Aroma und ein sauberes Terpenprofil. Dass moderne US-Hybriden von besserer Technik und geteiltem Wissen profitieren, bestreitet er nicht — er hält nur dagegen, dass man über der Begeisterung für Neues die Qualität alter Genetik nicht abschreiben sollte. Aus diesem Haus klingt das weniger nach Nostalgie als nach Inventur.

Feminisiert, selbstblühend, CBD-betont

Technisch war Paradise trotzdem selten hinten. 2005 stellte die Bank auf stabilisierte feminisierte Photoperiodensorten um und veröffentlichte Wappa; 2010 kamen mit Pandora Auto und Vertigo Auto die ersten selbstblühenden Linien. 2011 eröffnete in Amsterdam das eigene Ladengeschäft, im selben Jahr erschienen Atomical Haze und Allkush.

Später kam eine Reihe CBD-betonter Sorten dazu, darunter Neuauflagen bekannter Klassiker wie Durga Mata I:I CBD und Nebula I:I CBD. 2021 folgten eine Bio-CBD-Öl-Linie und die Gründung von Paradise Phytogenetics, dem Zweig für lizenzierte Produzenten.

Kalifornien im Katalog

Der zweite große Strang ist amerikanisch. 2018 entstand die Zusammenarbeit mit dem Aktivisten Tommy Chong, aus der unter anderem L.A. Amnesia, Mendocino Skunk und Kong 4 Auto hervorgingen; im selben Jahr erschienen Space Cookies und Californian Gold, letztere als Verbeugung vor dem Legalisierungsdatum des Bundesstaats. 2022 kam die europäische Vertriebspartnerschaft mit Compound Genetics dazu, der 2017 gegründeten kalifornischen Zuchtfirma von Chris Lynch, deren Leitsatz Flavors by Design die Aromenfrage über die Prozentzahl stellt. Das passt besser zusammen, als es auf den ersten Blick wirkt.

Pokale auf drei Kontinenten

Die Preisliste ist über die Jahre unübersichtlich geworden; das Haus selbst zählt über sechzig Cannabis Cups. Ein Querschnitt aus dem, was heute noch im Katalog steht:

  • Sensi Star — High Times Cannabis Cup und Highlife Cup, beide 1999
  • Nebula — Platz zwei beim High Times Cup 1999, später La Bella Flor in Spanien
  • White Berry — Treating Yourself Medical Cannabis Cup, Kanada
  • Acid — Copa THC, Spanien
  • Sunset Paradise — erster und zweiter Platz bei der Copa del Sol, Kolumbien
  • Chocolate Wafflez — dritter Platz beim Spannabis Champions Cup, Barcelona 2022
  • Apricot Candy — Clouds in the City Cup, Amsterdam 2023
  • Gulupa — zweiter Platz beim Spannabis Champions Cup, Bilbao 2024

Bemerkenswert daran ist weniger die Menge als die Streuung: Amsterdam, Barcelona, Bilbao, Kanada, Kolumbien — und verteilt über mehr als zwei Jahrzehnte.

Was neben den Samen noch läuft

Paradise gibt medizinischen Anwendern seit Jahren einen festen Rabatt auf alle Samen; Krol begründet das mit einem für einen Firmenchef bemerkenswert unkaufmännischen Gedanken — der Eigenanbau für den eigenen medizinischen Bedarf sollte ein Menschenrecht sein. Seit 2013 organisiert das Haus die Medical Cannabis Bike Tour, die nach eigenen Angaben über 400.000 Euro für die medizinische Cannabisforschung eingebracht hat. 2015 stellte der damals größte legale medizinische Anbaubetrieb Südamerikas auf Paradise-Genetik um.

2024 hat die Bank ihr dreißigstes Jahr gefeiert, immer noch aus Amsterdam, immer noch mit demselben Züchter an der Auslese. Wer Paradise Seeds ins Regal stellt, stellt keine Trendmarke dorthin, sondern eine Sammlung, in der neben kalifornischen Neuzugängen Sorten stehen, die seit den Neunzigern nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben — und ein Haus, das lieber ein Jahr länger auslest, als eine Linie zu früh in den Handel zu geben.