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Humboldt Seed Co.

Humboldt Seed Co. auf DrGreen entdecken

Humboldt Seed Co.
Gegründet 2001 Eureka, California 4 Min. Lesezeit
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Nathaniel Pennington kam 1996 nach Nordkalifornien, weil ihn Flüsse interessierten. Er arbeitete in der Lachs-Genomik, gründete später mehrere gemeinnützige Organisationen und war an den Verhandlungen beteiligt, an deren Ende die Entfernung von vier Staudämmen am Klamath River stand. Cannabis züchtete er zunächst nebenher.

Dass daraus ein Zuchtbetrieb wurde, dessen Samen heute auf mehreren Kontinenten im Handel sind, ist weniger überraschend, als es klingt. Wer aus der Populationsgenetik kommt, denkt in großen Stückzahlen, in Auslese und in Stabilität über Generationen. Genau so arbeitet Humboldt Seed Co. bis heute.

Gegründet, um Patienten zu versorgen

Die Anfänge liegen Ende der 1990er-Jahre in den nebligen Wäldern im Osten von Humboldt County. Pennington kreuzte Sorten und zog Stecklinge, zunächst informell und für Farmer aus der Nachbarschaft – ein Betrieb wurde erst daraus, als die Nachfrage nicht mehr aufhörte. Als Firma steht Humboldt Seed Co. seit 2001, gegründet von Naturwissenschaftlern und mit einem sehr konkreten Auftrag: Saatgut für Patientinnen und Patienten unter Kaliforniens Proposition 215, das ohne Pestizide und Fungizide auskommt.

Die zweite Hälfte der Handschrift bringt Mitgründer Ben Lind mit, im Haus als Chief Science Officer geführt. Lind hat als Paläoökologe für die Smithsonian Institution in der Mongolei gearbeitet und über prähistorische sibirische Bestattungsrituale geforscht – also darüber, wie früh Menschen Cannabis anbauten, lagerten und verehrten. Seine Sammelreisen nach Jamaika, Kolumbien und Afrika sind der Grund, warum Landrassen in diesem Haus nicht als Folklore behandelt werden, sondern als Ausgangsmaterial.

Die Phänotypen-Jagd als Betriebssystem

Einmal im Jahr zieht das Unternehmen über Farmen in Nordkalifornien und begutachtet Tausende Einzelpflanzen. Das dauert Wochen und ist ausdrücklich keine interne Übung: Farmer, Laborleute, Genetiker, Händler und geladene Gäste beurteilen dieselben Pflanzen nach demselben Bewertungsschema. Gesucht wird, was im Haus Unicorn heißt – die eine Pflanze aus einer sehr großen Population, die bei Terpenprofil, Struktur oder Farbe aus der Reihe fällt. 2019 blieb von rund 2.500 begutachteten Pflanzen etwa ein Prozent übrig; zur Jagd im Herbst 2023 reisten über hundert Beteiligte an.

Der unspektakuläre Teil kommt danach. Aus einem Fund wird nicht sofort eine Sorte: Ein bis zwei Jahre Inzuchtlinien vergehen, bis die Nachkommen zuverlässig gleich riechen. Blueberry Muffin soll nach der eigenen Vorgabe jedes Mal nach frisch gebackenem Blaubeermuffin riechen – nicht meistens.

Die Jagd verlässt Kalifornien

Seit einigen Jahren finden diese Suchen nicht mehr nur zwischen Humboldt, Mendocino und Trinity County statt. Das Team war für Landrassen in Marokko unterwegs, in Südamerika und auf Antigua, wo es gemeinsam mit einer Rastafari-Gemeinde reine Sativa-Linien sichtete; in Jamaika läuft ein eigenes Projekt mit lokalen Farmen. Parallel dazu ist das Unternehmen aus Kalifornien herausgewachsen – neben weiteren US-Bundesstaaten nennt es Spanien, Kanada, Jamaika und Thailand als Märkte, in denen es arbeitet.

Der Antrieb dahinter ist derselbe wie bei Lind: Alte, regional gewachsene Genetik verschwindet schneller, als sie dokumentiert wird. Wer sie einsammelt, solange es sie gibt, hat später etwas, das sich nicht nachbauen lässt.

Namen, die hängengeblieben sind

Blueberry Muffin ist bis heute das Aushängeschild und einer der Gründe, warum kalifornische Dessert-Genetik überhaupt ein eigenes Genre wurde. Daneben stehen Vanilla Frosting, Magic Melon, Squirt, Jelly Donutz und Pineapple Upside Down Cake – Namen, die das Haus mit sichtbarem Vergnügen vergibt und die trotzdem eine ernsthafte Auslese hinter sich haben. Ältere Linien bleiben im Katalog, auch wenn sie gerade nicht in Mode sind; Heirlooms wie Trainwreck oder Jack Herer führt das Haus aus Prinzip weiter, weil sie sonst niemand mehr vermehren würde.

Drei Chromosomensätze statt zwei

2024 stellte Humboldt Seed Co. triploide Cannabissamen für den US-Markt vor – nach eigener Darstellung die ersten ihrer Art im Handel, entwickelt über fünf Jahre gemeinsam mit dem Molekularbiologen Richard Philbrook. Triploide Pflanzen tragen drei statt zwei Chromosomensätze; sie bilden kaum noch Samen aus und sind ausdrücklich nicht gentechnisch verändert, sondern das Ergebnis klassischer Züchtung. Im Sortiment steht diese Linie als OG Triploid Auto.

Wer mit wem

Auffällig oft holt sich das Haus Leute von außerhalb der Branche dazu. Für die kalifornische Band Slightly Stoopid entstanden Sorten, die nach ihren Songs heißen – Slightly Stoopid Fruits und Collie Man Kush. Die Bob Marley Collection wurde mit der Rastafari-Gemeinschaft und dem Botaniker Machel Emanuel entwickelt und brachte Redemption Indica und One Love Sativa hervor. Und Ed Rosenthals Super High Life trägt nicht nur den Namen des Autors: Rosenthal hat die Sorte mitentwickelt und dabei nach eigener Aussage vor allem auf verlässliche, gut vorhersagbare Blütezeiten geachtet.

Strom aus dem eigenen Bach

Der Betrieb versorgt sich nach eigenen Angaben mit Solarstrom und Mikro-Wasserkraft und ist Clean Green Certified – ein privates Siegel, das dort einspringt, wo das US-Bundesrecht das Wort organic für Cannabis nicht zulässt. Seit 2019 arbeitet Humboldt Seed Co. mit dem Yurok Tribe zusammen, dessen Gebiet am Klamath River liegt; ein Teil des Saatguts entsteht bei der Yurok Agricultural Corporation. Hier schließt sich der Kreis zum Anfang: Penningtons Nature Rights Council wird von indigenen Jugendlichen aus Humboldt County geführt.

Was Humboldt Seed Co. im Regal ausmacht, ist diese Doppelnatur. Auf dem Etikett stehen Muffins, Donuts und Melonen; dahinter steckt ein Zuchtprogramm, das seine Auslese offenlegt und sich von Fischereibiologen, Paläoökologen und Reggae-Musikern gleichermaßen beraten lässt. Selten passen Verspieltheit und Ernsthaftigkeit so gut in dieselbe Samentüte.