Kaum ein Name der Cannabis-Zucht schleppt so viel unbelegte Geschichte mit sich herum wie G13. Die Erzählung geht so: ein staatliches Forschungsprogramm in den USA, ein entwendeter Steckling, ein Hybrid mit der laufenden Nummer dreizehn. Nachweisen ließ sich das nie – dokumentiert ist das Forschungsprogramm, nicht die Pflanze. Gehalten hat sich die Geschichte trotzdem, über Jahrzehnte.
Eine Samenbank, die diesen Namen trägt, verspricht also einiges. Umso überraschender, wie wenig G13 Labs davon einlöst – im besten Sinn. Auf der eigenen Website steht keine Silbe über Regierungslabore. Stattdessen drei knappe Absätze über Herkunft, Zusammenarbeit und Katalog. Für eine Branche, die gern mythisiert, ist das erstaunlich trockene Kost.
Vom Vereinigten Königreich nach Amsterdam
Entstanden ist G13 Labs im Vereinigten Königreich; ein Gründungsjahr nennt das Haus nirgends. Belegt ist der Schritt danach: Anfang der 2000er-Jahre führte die eigene Genetik-Sammlung nach Amsterdam, wo die Zusammenarbeit mit den dort ansässigen Growern begann. Das war der Ort, an dem sich damals entschied, welche Linien in Umlauf kamen und welche wieder verschwanden.
Geführt wird die Marke von einer Firma mit Sitz in Ipswich in der englischen Grafschaft Suffolk, im britischen Handelsregister seit Dezember 2007 eingetragen. Für das europäische Geschäft kam später eine zweite Basis in Spanien dazu. Vertrieben wird über den Fachhandel: nach eigener Angabe in Hunderten Läden weltweit, in Europa von Irland bis Griechenland.
Wer die Arbeit macht
Über die Züchter, mit denen das Haus zusammenarbeitet, erfährt man nichts. Die Website sagt, dass es sie gibt und dass sie zu den besten gehören – kein Name, keine Kooperation, die man nachschlagen könnte. Das ist entweder Diskretion oder Nachlässigkeit; von außen lässt sich das nicht entscheiden.
Sichtbare Folgen hat das Modell trotzdem. Der Katalog ist breit und bewusst uneinheitlich: Eine G13-Labs-Sorte erkennt man nicht am Aroma und nicht an einer wiederkehrenden Elternpflanze, sondern daran, dass sie es in die Auswahl geschafft hat. Wer eine Handschrift sucht, findet hier keine – wer Bandbreite sucht, schon.
Alles feminisiert, nichts regulär
Eine Entscheidung zieht sich durch den gesamten Katalog: G13 Labs führt ausschließlich feminisierte Samen, photoperiodisch oder automatisch blühend. Regulärsamen, die Grundlage jeder eigenen Kreuzungsarbeit, gibt es nicht – keinen Restbestand, keine Nische. Das ist eine klare Ansage darüber, an wen sich das Haus richtet: an die Anwender einer fertigen Sorte, nicht an die, die daraus die nächste bauen wollen.
Pineapple Express und das Auto-Prinzip
Wenn eine Sorte für dieses Haus steht, dann Pineapple Express. G13 Labs führt sie selbst als eine der über Jahre meistverkauften Sorten des eigenen Katalogs und nennt als Abstammung Big Bud x Hawaiian Skunk. Interessanter als der Erfolg ist, was danach passierte: Es gibt sie in einer zweiten Fassung und in automatisch blühenden Varianten. Das Muster wiederholt sich – was sich hält, bekommt früher oder später eine Auto-Fassung, Gigabud ist das nächste Beispiel. Dieselbe Beweglichkeit zeigt sich an kleineren Stellen: Eggnog OG erscheint zur Weihnachtszeit in eigener Auflage, und mit OG13 trägt eine Sorte den Hausnamen im eigenen.
Was im Regal bleibt
Ein Katalog, der auf Auswahl statt auf Autorschaft baut, könnte alles Ältere jederzeit abstoßen. G13 Labs tut das nicht. Super Skunk und C99 stehen weiter darin, obwohl beide aus einer Zeit stammen, in der über Terpenprofile noch niemand sprach, und obwohl sie sich gegen jede Neuheit im selben Regal behaupten müssen. Solche Linien zu halten, ist Arbeit: Sie müssen nachgezogen und selektiert werden, sonst driftet eine Sorte über die Jahre von ihrem eigenen Namen weg. Dass sie geblieben sind, sagt mehr über das Haus als jedes Versprechen auf der Startseite.
Am Ende steht eine Marke, die über sich wenig preisgibt und dabei bemerkenswert wenig behauptet: kein Gründungsjahr, keine Züchternamen, keine Cup-Siege, die sie vorzeigt. Wer wissen will, wer hinter G13 Labs steckt, findet eine Adresse in Suffolk und einen Katalog. Für ein Haus, dessen Name die bekannteste unbewiesene Geschichte der Branche aufruft, ist diese Zurückhaltung fast schon eine Pointe.