Die Preisliste, die Eva Seeds auf der eigenen Website führt, hat einen Schönheitsfehler: Die Sorte, die darauf am häufigsten auftaucht, kann man nicht mehr kaufen. Papa's Candy gewann 2007 den Gesamtsieg beim High-Life-Cup, holte davor und danach Preise für Harz, Haschisch und Innenanbau — und steht heute im hauseigenen Sortenfriedhof, einer eigenen Rubrik im Shop, in der das Haus seine ausgemusterten Genetiken öffentlich aufbewahrt.
Das ist keine Nachlässigkeit, sondern Methode. Bei Eva Seeds wächst der Katalog nicht einfach an, er wird beschnitten. Neben Papa's Candy liegen dort White Dragon, Excalibur, African Free und Nexus — Namen, die in den Preislisten der 2000er-Jahre eine Rolle spielten und die das Haus lieber begräbt, als sie mitzuschleppen.
Eine Bank, die aus einem Laden gewachsen ist
Die Adresse ist bis heute dieselbe: Travessera de les Corts 48 in L'Hospitalet de Llobregat, einer Stadt, die unmittelbar an Barcelona grenzt. Was dort 2001 als Grow Shop La Huerta anfing, steht immer noch im Laden — Erde, Lampen, Dünger — und daneben inzwischen die Genetik, die dieselben Leute selbst gezogen haben.
Als die ersten eigenen Tüten 2005 in den Handel gingen, hatte Spanien keine eigene Samenbank-Tradition. Wer Genetik wollte, kaufte niederländisch: reguläre Samen, bei denen die Hälfte der Pflanzen männlich wurde, und die ersten feminisierten, die häufig aus zwittrigen Pflanzen stammten und der ganzen Gattung einen Ruf einbrachten, den sie nach Lesart des Hauses nie verdient hatte. Genau daran setzte Eva Seeds an — feminisiertes Saatgut aus Verfahren, die stabile Nachkommen liefern. Auf den ersten Messen in Barcelona standen zwischen den Niederländern nur eine Handvoll spanischer Häuser: Dinafem, Cannabiogen und eben diese Bank.
Schnell, aber ohne Ruderalis
Die Handschrift der Zucht lässt sich auf eine Zahl bringen: 45. So viele Tage Blüte brauchen die schnellsten Linien des Hauses, wo sonst 60 Tage üblich sind und Sativas auch 80 erreichen. Zustande kommt das ausschließlich über Selektion — Eva Seeds kreuzt dafür ausdrücklich kein Ruderalis ein und grenzt sich damit von den sogenannten Fast-Version-Genetiken ab, die genau das tun. Die Sorten bleiben photoperiodisch, nur eben ungewöhnlich eilig.
Der Wendepunkt war Jamaican Dream, eine jamaikanische Sativa, in Spanien selektiert, mit rund 45 Tagen Blüte. Sie wurde zur bekanntesten Sorte des Hauses und zum Ausgangspunkt weiterer Linien: Black Dream entstand aus der Kreuzung mit Black Domina, Jamaican Dream CBD aus derselben Mutter. Was danach kam — Furious Candy, Gorilla Candy, Lemon King —, folgt demselben Grundsatz.
Hausregeln, die sonst kaum jemand aufschreibt
Auf der Über-uns-Seite steht eine Reihe von Selbstverpflichtungen, die man in dieser Deutlichkeit selten liest. Eva Seeds verkauft seine Genetik nicht an andere Banken und kauft auch keine zu; jede Sorte ist als Marke eingetragen und existiert nur unter dem eigenen Etikett. Lose, außerhalb der Originalpackung, gibt das Haus keine Samen ab — die Begründung ist Rückverfolgbarkeit: Wo die Packung fehlt, fehlt auch die Herkunft.
Entsprechend viel Aufwand steckt in eben dieser Packung. Hologramm-Aufkleber gegen Fälschungen, Chargennummer und Verpackungsdatum, in der Großpackung zusätzlich ein Echtheitszertifikat. Dahinter liegt die weniger sichtbare Arbeit: Handverlesung nach Gewicht und Aussehen, Keimproben aus jeder Produktion, zertifiziert biologische Nährstoffe im Anbau der Mutterpflanzen.
Die Auszeichnungen — und ihr Ende im Jahr 2018
Die Bank dokumentiert ihre Preise selbst, Jahr für Jahr. Die Liste beginnt im Gründungsjahr:
- 2005 — erster Preis bei der ersten Cannabis Champions Cup mit Missing in Barcelona (M.I.B.)
- 2007 — Gesamtsieg beim High-Life-Cup mit Papa's Candy
- 2009 — erster Preis in der Harz-Kategorie der Spannabis Champions Cup mit Monster
- 2012 — Auszeichnung als beste Samenbank der Spannabis, dazu der Preis für den besten Stand
- 2013 — erster Preis Innenanbau Bio bei der Spannabis Champions Cup mit Papa's Candy
- 2018 — erster Preis in der Profikategorie der Copa Cannaval mit Gorilla Candy
Nach 2018 endet die Aufstellung. Ob seither nichts mehr dazugekommen ist oder nur niemand mehr nachgetragen hat, sagt das Haus nicht. Was dasteht, reicht über dreizehn Jahre und weit über Spanien hinaus — auf die Kanaren, nach Italien, in die Slowakei und nach Südamerika.
Terpene als zweites Standbein
2016 gründete ein Teil des Teams eine zweite Firma: Cali Terpenes, spezialisiert auf Terpenprofile — jene Aromamoleküle, die einer Pflanze ihren Geruch geben. Das Verfahren dahinter beschreibt das Haus als Rezeptarbeit: Man analysiert das Profil einer Cannabis-Sorte und baut es aus isolierten Terpenen anderer Pflanzen nach. Seither trat Eva Seeds auf Messen in Spanien und Chile regelmäßig mit beiden Marken auf.
Ein Widerspruch, den das Haus stehen lässt
Auf der Über-uns-Seite steht bis heute der Satz, man mache keine selbstblühenden Sorten: Es gebe genug Banken, die das anböten, man wolle lieber für die eigenen Qualitätssorten bekannt bleiben. Im Katalog steht inzwischen trotzdem eine Autoflowering-Abteilung, die das Haus auf einer eigenen Seite begründet, während es den schnellen photoperiodischen Linien weiterhin den Vorrang gibt. Man muss sich das nicht als Sinneswandel vorstellen, eher als Nachtrag, den zu löschen niemand über sich gebracht hat.
Eva Seeds ist keine Bank, die über Größe wirbt. Sie hat sich an einer einzigen Eigenschaft festgemacht — früh fertig zu sein, ohne dafür Ruderalis zu bemühen — und alles Weitere darum herum gebaut: den Katalog, die Regeln, sogar den Friedhof. Im Regal steht diese Marke für einen Satz, den in der Branche nicht viele so aufsagen würden: Lieber weniger Sorten, die man verantworten kann, als ein Archiv, das keiner mehr durchsieht.