Zum Inhalt springen
Atlas Seed

Atlas Seed auf DrGreen entdecken

Atlas Seed
Gegründet 2019 Sebastopol, Kalifornien 4 Min. Lesezeit
Alle Strains von Atlas Seed zeigen

Die erste gemeinsame Ernte der beiden Gründer waren Karotten und Rote Bete, gewachsen in den Gärten ihrer Eltern und verkauft an einem Marktstand in Sonoma County. Aus dieser Herkunft erklärt sich fast alles, was Atlas Seed von anderen Samenbanken unterscheidet – bis hin zu dem Satz, den die Marke wie ein Wappen vor sich herträgt: Cannabis, gezüchtet für die Landwirtschaft.

Das ist keine Aussage über Qualität, sondern eine über den Ort. Die meisten Genetiken der Branche sind für den Raum gemacht: für Töpfe, Lampen, Netze, für eine Pflanze, die einzeln betreut wird. Atlas züchtet für das, was danach kommt – für die Fläche, die Pflanzreihe, die Maschine.

Gemüse zuerst, Cannabis danach

Adam Davidoff und Ryan Power lernten sich an der University of California in Santa Cruz kennen, wo beide Landwirtschaft studierten. 2010 gründeten sie in Sebastopol im kalifornischen Sonoma County die New Family Farm, einen kleinen Bio-Gemüsebetrieb: Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Winterkürbis, verteilt auf zwei Parzellen von zusammen rund fünfzehn Acre. Im selben Jahr begann der Verkauf auf dem Bauernmarkt in Occidental, 2011 folgte die Bio-Zertifizierung.

Als Kalifornien den legalen Cannabisanbau öffnete, waren die beiden also keine Züchter, die sich Landwirtschaft aneignen mussten, sondern Landwirte, die eine Kultur dazunahmen. Diese Reihenfolge ist der eigentliche Unterschied. Sie brachten Cannabis in ein bestehendes Produktionssystem, statt für Cannabis ein eigenes zu erfinden – und stellten dabei fest, dass die verfügbaren Genetiken für diesen Weg nicht gemacht waren. 2019 gründeten sie Atlas Seed.

Warum das Saatkorn und nicht der Steckling

Der Klon ist das Arbeitspferd der Cannabisbranche, und er hat einen guten Grund: Er ist berechenbar. Er hat aber auch eine Obergrenze. Eine Mutterpflanze, ein Bewurzelungsraum, ein Transportweg – all das skaliert schlecht, sobald es nicht mehr um Hunderte, sondern um Zehntausende Pflanzen geht. Saatgut kennt dieses Problem nicht.

Genau hier setzt Atlas an. Das erklärte Ziel des Hauses ist es, Saatgut in einer Branche zu standardisieren, die sich lange auf Stecklinge verlassen hat, und dafür auf Gleichmäßigkeit und Leistung zu züchten. Uniformität ist in diesem Zusammenhang kein ästhetischer Begriff: Ein Feld, dessen Pflanzen unterschiedlich schnell reif werden, zwingt zu mehreren Ernteterminen – und jeder davon kostet.

Elternlinien, über Jahre eingeengt

Die Handschrift des Hauses steckt in der Arbeit, die vor der eigentlichen Sorte liegt. Atlas wählt Elternlinien nach ihrem Verhalten im Feld aus, engt sie durch wiederholte Inzucht so weit ein, bis die gewünschten Eigenschaften festsitzen, und kreuzt diese Linien dann gezielt zu feminisierten F1-Hybriden. Nach eigener Darstellung entstehen so Saatgutpartien, die echten F1-Hybriden so nahe kommen, wie es für Anbauer überhaupt verfügbar ist.

Zwei Konsequenzen daraus sind im Sortiment sichtbar. Erstens ist bei Atlas alles feminisiert, ohne Ausnahme. Zweitens gilt für jede Linie derselbe Prüfweg: Sie wächst zuerst auf der eigenen lizenzierten Farm, bevor sie überhaupt in den Verkauf kommt. Ein Haus, das seine eigenen Sorten anbaut, bekommt schlechte Nachrichten über sie als Erstes – und muss sie nicht erst von Kunden erfahren.

Eine eigene Vokabel für die Zwischenstufe

Zwischen den klassischen Kurztagsorten, die im Herbst reif werden, und den tagneutralen Autoflowers liegt eine dritte Kategorie: Kreuzungen aus beidem, die die Blüte deutlich früher einleiten als ihre Kurztag-Elternteile, aber keine echten Autoflowers sind. Der Handel nennt sie je nach Laune Fast, Quick, Early oder Sub-Auto.

Atlas fand diese Begriffswolke unbrauchbar – nach eigener Beschreibung deshalb, weil sie an Hobbygärtner gerichtet war und nicht an jemanden, der eine Anbaufläche plant. Also prägte das Haus einen eigenen Begriff für die Kategorie, „semi-full term", der beschreibt, was sie aus Sicht des Landwirts von der vollen Saison unterscheidet. Bei uns tragen diese Sorten das Kürzel FAST im Namen.

Nebel als Prüfstand

Zwei der wichtigsten Zucht-, Anbau- und Jungpflanzenstandorte des Hauses liegen in Half Moon Bay und Sebastopol – beides Orte, in denen der Nebel zum Klima gehört. Für eine Cannabispflanze ist das kein romantischer Umstand, sondern Dauerfeuchte und damit Schimmeldruck. Wer dort selektiert, hat den härtesten Prüfer schon im Zuchtgarten stehen; Widerstandsfähigkeit gegen Fäulnis wird dann keine Zusatzeigenschaft, sondern Bedingung fürs Weiterkommen.

Eine Sorte trägt diesen Umstand sogar im Namen. Fog Dog Auto wurde für genau solche neblig-kühlen Küstenlagen entwickelt – und heißt so nach der Windsurf-Clique, mit der Ryan Power in Half Moon Bay aufgewachsen ist. Man muss diese Geschichte nicht kennen, um die Sorte zu mögen. Aber sie sagt einiges darüber, wie nah dieses Haus an seinem eigenen Gelände gebaut ist.

Ein Haus, das sein Handwerk aufschreibt

Davidoff und Power haben ihre Arbeitsweise in Buchform veröffentlicht: „Cannabis Farming: How to Grow, Harvest and Process Organic, Field-Grown Cannabis". Das ist in einer Branche, die Anbauwissen gern als Betriebsgeheimnis behandelt, eine bemerkenswerte Entscheidung – und sie passt zur Position der Marke. Wer Saatgut an Landwirte verkauft, hat nichts davon, wenn diese Landwirte scheitern.

Was Atlas Seed auszeichnet, ist diese Denkrichtung: erst die Fläche, dann die Genetik. Das macht die Marke nicht zur größten und nicht zur lautesten im Regal – aber zu einer der wenigen, deren Sortiment sich aus einer landwirtschaftlichen Frage herleitet und nicht aus einer Modewelle.